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Vojta-Therapie

Menschen mit motorischen Störungen unterschiedlicher Ursache soll mit der Vojta-Therapie durch das Auslösen von Bewegungsreflexen zu einer verbesserten Beweglichkeit, Haltung und Wahrnehmung verholfen werden.

Vojta-Therapie – wer sie entwickelt hat

Die Vojta-Therapie wurde von dem tschechischen Neurologen und Kinderneurologen Prof. Dr. Václav Vojta (1917 bis 2000) entwickelt. Vojta emigrierte 1968 nach Deutschland. Er arbeitete an der Orthopädischen Universitätsklinik Köln und am Kinderzentrum München. Von 1990 bis zu seinem Tod lehrte Vojta wieder an der Prager Karls-Universität.

Vojta-TherapieVojta-Therapie – wogegen sie helfen soll

Die Vojta-Therapie soll bei Bewegungsstörungen wie spastischen Lähmungen, Infantiler Zerebralparese (ICP), Fehlstellungen der Extremitäten, Skoliosen der Wirbelsäule, Hüftdysplasie und Verrenkungen helfen.

Vojta-Therapie – wie sie funktioniert

Vojta strebte speziell bei Säuglingen mit einer Bewegungseinschränkung das Auslösen und Aktivieren sogenannter Reflexfortbewegungen (Reflexlokomotion) an. Diese Reflexbewegung wird aus der Bauchlage, der Seitlage und der Rückenlage aktiviert. Um die Bewegung auszulösen, aktiviert der Therapeut zehn (von Vojta beschriebene) Zonen am Körper, an den Armen und an den Beinen des Patienten. Durch abwechselnden Zug und Druck auf verschiedene Körperzonen lassen sich das sogenannte Reflexkriechen und das Reflexumdrehen auslösen – Bewegungsmuster, die in der natürlichen Entwicklung beim gesunden Menschen von selbst auftreten würden. Die Therapeuten setzen einer Bewegung des Patienten (zum Beispiel dem Kopfdrehen beim Reflexkriechen) einen Widerstand entgegen. Ziel ist es, die Muskelspannung in der Umgebung des durch den Widerstand gebremsten Körperteils zu verstärken wie auch die Muskulatur weiter entfernt liegender Körperteile zu aktivieren, ohne dass diese sich verkürzen (Isometrie).

Vojta-Therapie – individuelle Behandlung

Zu den drei genannten Grundpositionen gibt es mehr als 30 Variationen. Die Therapie wird dem Patienten angepasst, indem Auslösungszonen am Körper und Widerstände individuell kombiniert und variiert werden. In der Vojta-Therapie sind die optimalen Winkelstellungen der Extremitäten sehr wichtig. Minimale Veränderungen der Druckrichtungen und der Gelenkwinkel in der Ausgangsstellung bewirken ebenfalls eine individuell auf den Patienten zugeschnittene Behandlung.

Vojta-Therapie – was sie bewirken soll

Die Wirkung der Vojta-Therapie soll umfassend sein. Im Bereich der Skelettmuskulatur soll die Wirbelsäule gestreckt, gedreht und beweglicher gemacht werden. Der Kopf soll freier bewegt werden können. Fehlhaltungen des Kopfes sollen verschwinden. Im Gesichts- und Mundbereich sollen Saug-, Schluck- und Kaubewegungen erleichtert werden. Die Stimme soll lauter und kräftiger und die Aussprache deutlicher werden. Die Augen sollen sich unabhängig vom Kopf und zielgerichteter bewegen lassen. Die Atmung soll tiefer und regelmäßiger werden, der Brustkorb soll sich weiten. Die Haut soll besser durchblutet werden, der Schlaf-Wach-Rhythmus soll sich verbessern. Im Bereich der Wahrnehmung soll sich der Gleichgewichtssinn verbessern, ebenso die Orientierung im Raum. Empfindungen (beispielsweise kalt und warm) sollen stärker werden. Die eigene Körperwahrnehmung wie auch die Konzentrationsfähigkeit soll sich verbessern.

Vojta-Therapie – die Eltern als Therapeuten

Damit die Vojta-Therapie erfolgreich ist, muss sie in der Regel mehrmals (gegebenenfalls bis zu vier Mal) täglich durchgeführt werden. Eine Therapieeinheit dauert zwischen fünf und zwanzig Minuten. Die Eltern, die die Therapie durchführen, müssen vom Therapeuten geschult werden. Die Therapie dauert meistens mehrere Wochen oder Monate, sie kann aber auch mehrere Jahre lang dauern.

Vojta-Therapie – ein schmerzhaftes Unterfangen?

Die Vojta-Therapie ist umstritten. Kritiker bemängeln, dass der Einsatz bei Säuglingen und Kindern die Eltern psychisch und physisch erheblich belastet. Kleinkinder sollen auf die Therapie mit heftigem Schreien und Weinen reagieren. Da sie den Eltern nicht aktiv mitteilen können, ob sie Schmerzen haben, sollen diese verunsichert sein und unter psychischem Stress leiden.



Fotonachweis / Copyright: Kollektion und Urheberrecht:Photodisc, Tom Le Goff










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